Konzept

Die Lok ging im Dezember 2023 von der BLS-Stiftung an die Dampfbahn Bern über. Ziel ist es die Geschichte der Schweizer Eisenbahnen, insbesondere der Berner Dekretsbahnen und deren Auswirkung auf die Region am lebenden Objekt aufzuzeigen und erlebbar zu präsentieren. Dafür wollen wir die Lokomotive Ce 4/4 315 betriebsfähig aufarbeiten und mit der modernen Zugsicherung namens European Train Control System (ETCS) ausrüsten.

Wir haben uns Gedanken gemacht, wie das Konzept zu diesem Projekt aussehen soll. Dabei stellten wir uns die folgenden Fragen:

Kann die Lok überhaupt noch mit einem sinnvollen Aufwand revidiert werden?

Dazu wurde die Lok während drei Monaten in Biel sehr gründlich untersucht. Sie verfügt über eine erstaunlich gute Substanz, hat aber eine Revision dringend nötig. Bemerkenswert ist, dass die Maschine trotz fast 30-jährigem Stillstand eingeschaltet werden konnte und dabei auf Anhieb beinahe alles funktionierte. Für uns ein Zeichen, dass wir mit der Ce 4/4 eine robuste Lokomotive mit beinahe unverwüstlicher Technik in unseren Fuhrpark aufgenommen haben.

Wie soll der Betrieb der Lok aussehen?

Das einzigartige technische Kulturdenkmal soll betriebsfähig erhalten und nachhaltig betrieben werden. Dies mit dem Ziel die Geschichte der Schweizer Eisenbahnen, insbesondere der Berner Dekretsbahnen und deren Auswirkung auf die Region am lebenden Objekt aufzuzeigen und erlebbar zu präsentieren. Dazu soll die Maschine regelmässig für private und öffentliche Fahrten auf dem gesamten Schweizer Schienennetz verkehren können. Dies bedingt den Einbau einer Zugsicherung der neusten Generation. Das Know-how in Instandhaltung, Unterhalt und Betrieb ist durch die langjährige Erfahrung der Dampfbahn Bern bis in ferne Zukunft sichergestellt. Weiter wurde die Dampfbahn in den letzten Jahren zunehmend durch Trockenheit und Feuerungsverbote herausgefordert. Wir möchten möglichst keine Fahrten witterungsbedingt absagen oder ein modernes Triebfahrzeug vorspannen. Mit einer Stangenlok aus den 1920er-Jahren schaffen wir eine passende Unterstützung zur Schonung der Dampfloks oder ein würdiger Ersatz in entsprechenden Situationen. Zudem könnten wir so die Fahrten zum eigentlichen Einsatzgebiet elektrisch und mit dem höchstmöglichen Sicherheitsstandard durchführen.

Welche Kosten kommen auf uns zu?

Dank der sehr gründlichen Untersuchung welche vorgängig durchgeführt wurde, konnten wir sehr genaue und aussagekräftige Offerten bei Drittfirmen einholen. Auf dieser Basis konnten wir sämtliche zu erwartenden Kosten zusammenstellen. So wissen wir genau welche Kosten auf uns zukommen. Das Risiko einer massiven Budgetüberschreitung kann so klein gehalten werden.

Weitere Detailinformationen zu den Kosten finden Sie hier.

Wie wollen wir den Auftritt des Projekts präsentieren?

Für uns war von Anfang an klar, dass ein professioneller und transparenter Auftritt gegenüber der Öffentlichkeit ein Muss ist. Aus diesem Grund wurde eigens für das Projekt eine Webseite erstellt. Dabei werden wir durch den erfahrenen Redakteur der LOKI-Zeitschrift Hans Roth unterstützt. Seine Erfahrung hilft uns einen zeitgemässen Auftritt zu schaffen.

Wie beschaffen wir die nötigen finanziellen Mittel?

Die Ce 4/4 315 steht exemplarisch für die Berner Verkehrs- und Technikgeschichte. Sie erzählt auch kommenden Generationen Geschichten über Notlagen, Sachzwänge und was man daraus machen kann. Durch ihre lange Einsatzdauer, verbunden mit stetigen Modernisierungen steht sie, wie kaum ein anderes mobiles Kulturgut, für Nachhaltigkeit und Anpassungsfähigkeit. Deshalb hoffen wir, die Aufmerksamkeit von Institutionen zu erlangen, die den Erhalt von Kulturgütern und die Vermittlung unterstützen.

Dafür braucht es aber einen transparenten Auftritt und ein durchdachtes Gesamtkonzept. Dabei werden wir durch Tim Hellstern unterstützt. Er arbeitet als Restaurator und Kurator beim Museum für Kommunikation und verfügt über ein breites Wissen im Umgang mit solchen Projekten. Durch sein Wissen können wir einen sauberen Auftritt schaffen und die Wichtigkeit unseres Projekts und der Geschichte unserer Lok noch besser hervorheben. Nebst den Mitteln von Institutionen sind auch Spenden aus privaten Kreisen oder Geld aus der Vermarktung eigener Mittel wie z.B. Souvenirs extrem wichtig. Dafür haben wir ein breites Angebot mit attraktiven Gegenleistungen für Sie oder Ihre Firma erstellt.

Welche Arbeiten müssen ausgeführt werden und wer führt die Arbeiten aus?

Dank der gründlichen Analyse der Lokomotive können wir zu allen Komponenten den Aufwand zur Aufarbeitung genau abschätzen. Dies ermöglichte uns einen genauen Katalog mit den auszuführenden Arbeiten zu erstellen. Die Dampfbahn Bern hat in Konolfingen weder den nötigen Platz noch die nötigen personellen Ressourcen, um ein solches Projekt in einer nützlichen Frist bewältigen zu können. Aus diesen Gründen haben wir uns dazu entschieden, die Arbeiten durch externe Firmen ausführen zu lassen.

Warum ist der Einbau einer modernen Zugsicherung unumgänglich?

Das Schweizer Schienennetz wird stetig modernisiert. Dies bringt für historische Fahrzeuge mit klassischen Zugsicherungen Probleme mit sich. Denn modernisierte Stecken werden immer häufiger mit Führerstands-Signalisation, dem „European Train Control System“ (ETCS-Level 2) ausgerüstet. Dies entspricht der neusten Strategie des Bundesamtes für Verkehr (BAV) mit dem Namen „European Rail Traffic Management System“ (ERTMS). Neubauten und Erneuerungen auf Schweizer Normalspurstrecken müssen mit Führerstands-Signalisierung (ETCS-Level 2) ausgerüstet werden. Nur in begründeten Ausnahmefällen wird noch eine optische Signalisierung bewilligt. Somit werden die klassischen Signale auf der Strecke nach und nach verschwinden. Dadurch erhält der Lokführer sämtliche Informationen zukünftig nur noch direkt in den Führerstand. Auf solchen Strecken kann somit nur gefahren werden, wenn das Fahrzeug mit der Zugsicherung ETCS ausgerüstet ist. Bisher wurde kein historisches Fahrzeug mit dieser Zugsicherung ausgerüstet. Unsere Ce 4/4 315 würde also auch hier ähnlich wie vor über 100 Jahren Pionierarbeit leisten. Um nachhaltig mit unserer Lok auf dem gesamten Schweizer Schienennetz verkehren zu können ist der Einbau der Zugsicherung ETCS (Level-2) deshalb unumgänglich. Der Einbau des Systems soll im Zuge der Revision der Lok erfolgen.

Zitat BAV:

Für die erfolgreiche Umsetzung der künftigen Infrastrukturprojekte müssen die einzusetzenden Fahrzeugflotten über die erforderlichen ERTMS-Einrichtungen verfügen. Damit die neu zu beschaffenden Fahrzeuge sowohl auf den führerstandsignalisierten als auch auf den optisch signalisierten Strecken verkehren können, sind sie mit der aktuellen ETCS-Version (Baseline 3) auszurüsten.

Das heisst, in Zukunft kann in der Schweiz nur noch mit ETCS-Level-2-tauglichen Fahrzeugen gefahren werden. Die Ausrüstung muss der neuesten Generation, Baseline 3, entsprechen.

Ist die Ausrüstung der Lok mit ETCS bei einer Höchstgeschwindigkeit von nur 65 km/h sinnvoll?

Die Höchstgeschwindigkeit (Vmax.) von 65 km/h reicht für unsere Bedürfnisse gut aus. Die Erfahrung (auch von anderen Vereinen) zeigt ganz einfach, dass dies genügt. Hier ein Beispiel:

Leermaterialzüge auf der Hauptlinie von Bern nach Thun werden oft nach der S-Bahn (S1) trassiert. Wenn mit der Leerfahrt schneller als 55 km/h gefahren wird, ist man zu schnell und läuft auf die vorausfahrende S-Bahn auf. Mit der Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h bleibt also durchaus noch eine gute Reserve – und das auf einer Strecke, die mit bis zu 160 km/h befahren werden darf. Auf vielen weiteren Strecken in der Schweiz gibt es die gleiche Situation. Weiter liegt unser Fokus auf den idyllischen Nebenlinien und nicht auf den Hauptstrecken. Ganz nach dem Motto: „Der Weg ist das Ziel.“